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14. August 2026
9 Min. Lesezeit

Weltportfolio mit 3 ETF: 70/30 richtig aufbauen

Kurzfassung

Ein Weltportfolio aus drei Bausteinen hält einen breiten Aktien-ETF, einen zweiten für die Märkte, die der erste auslässt, und einen Anleihenbaustein. Die Einfachheit ist der Zweck: weniger Positionen bedeuten weniger Entscheidungen, niedrigere Kosten und keine versteckte Überschneidung dort, wo Sie Streuung vermutet haben. Der Haken ist, dass die amerikanische Ursprungsfassung einen Anleger voraussetzt, dessen Heimatmarkt zugleich der größte der Welt ist. Wer sie eins zu eins übernimmt und den DAX zum halben Depot macht, hält am Ende eine Wette auf eine einzige Volkswirtschaft. Legen Sie deshalb zuerst die weltweite Gewichtung fest, etwa 70/30 oder einen einzigen All-World-ETF, behandeln Sie die Anleihenquote als Regler für das schlechte Jahr und gleichen Sie über die Sparrate aus statt über Verkäufe. Der Aufbau kostet ein Wochenende. Schwer wird erst, es danach liegen zu lassen.

A cairn of stacked stones stands on a rocky shoreline while waves break against misty cliffs behind it.
A three-fund portfolio is built the same way, a few well-chosen pieces that stay standing while the weather around them changes.

Ein Weltportfolio aus drei Bausteinen besteht aus einem breiten Aktien-ETF für die Industrieländer, einem zweiten für die Schwellenländer und einem Anleihenbaustein. Mehr ist es nicht. Keine Branchenwette, kein Themenfonds, den eine Schlagzeile dringend erscheinen ließ, kein fünfter Posten, dessen Zweck am Küchentisch niemand erklären kann. Der Reiz liegt nicht in der Zahl drei. Er liegt darin, dass ein Depot, das Sie in einem Satz laut beschreiben können, auch in zehn Jahren noch beschreibbar ist, und das wiegt am Ende schwerer als der Bauplan selbst.

Woher die Idee stammt

Die Ursprungsform heißt Three-Fund Portfolio und kommt aus der Bogleheads-Gemeinde, benannt nach John Bogle, dem Gründer von Vanguard. Bogles Kernargument war unbequem schlicht: Die Kosten eines Fonds sind der einzige Teil seiner Zukunft, den Sie vorher kennen. Alles andere an einem Fonds ist Prognose, die Gebühr ist eine Tatsache. Hierzulande läuft dieselbe Idee unter dem Namen Weltportfolio, und die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest hat sie als „Pantoffel-Portfolio“ bekannt gemacht: ein Renditebaustein aus Aktien, daneben ein Sicherheitsbaustein, und dazwischen möglichst wenig Betrieb. Wer einen vierten Fonds obendrauf legt, kauft meistens Überschneidung, die wie Streuung aussieht.

Was jeder der drei Bausteine leisten soll

Der erste Baustein ist der Motor: ein breiter Indexfonds, der hunderte oder tausende börsennotierte Unternehmen auf einmal hält, gewichtet nach ihrer Größe. Sie besitzen damit den Markt und nicht eine Meinung über ihn. Der zweite Baustein deckt ab, was der erste auslässt, für die meisten Anlegerinnen und Anleger also den Rest der Welt. Der dritte sind Anleihen, und seine Aufgabe ist grundsätzlich anders. Anleihen sollen Sie nicht reich machen. Sie sollen das Depot ruhiger laufen lassen, was etwas anderes ist als das Versprechen, dass sie steigen, sobald Aktien fallen. In manchen Jahren fallen beide. Was Anleihen vor allem liefern, ist ein stabilerer Topf, aus dem Sie entnehmen oder umschichten können.

Diese Arbeitsteilung ist der eigentliche Bauplan. Zwei Bausteine entscheiden, wie viel vom Welthandel Ihnen gehört. Der dritte entscheidet, wie viel Erschütterung Sie sich eingekauft haben. Wer das Depot so liest, für den beantworten sich die meisten Rückfragen von selbst. Ein Technologie-ETF obendrauf ist in Wahrheit die Frage, ob Sie eine zweite, versteckte Wette auf Unternehmen wollen, die Sie längst besitzen. Ein offener Immobilienfonds oder Gold daneben ist die Frage, was die beiden leisten sollen, was der Anleihenteil nicht schon leistet. Fällt Ihnen darauf keine Antwort ein, ist das die Antwort.

Warum wenige Positionen ein Vorteil sind

Einfachheit ist hier kein Zugeständnis an Anfänger. Sie bringt handfesten Nutzen. Jeder zusätzliche Fonds kostet Gebühr, verlangt jedes Jahr aufs Neue eine Entscheidung und bringt meistens Unternehmen mit, die Sie schon hatten. Wer einen Welt-ETF kauft, danach einen USA-ETF und danach einen KI-ETF, findet dieselbe Handvoll amerikanischer Konzerne in allen drei Positionen ganz oben wieder. Das fühlt sich nach Streuung an. Es ist ein Klumpenrisiko mit Zwischenschritten und höheren Kosten. Die laufenden Kosten sehen Sie sofort: Sie stehen als Prozentsatz im Basisinformationsblatt jedes Fonds, geläufig Gesamtkostenquote oder TER genannt. Die doppelten Unternehmen sehen Sie dagegen erst, wenn Sie die größten Positionen der Fonds nebeneinanderlegen.

Was sich nicht nach Deutschland übertragen lässt

Das Three-Fund Portfolio wurde von amerikanischen Anlegern für amerikanische Anleger entworfen, und diese Herkunft steckt tiefer im Bauplan, als es aussieht. Wenn die Ursprungsfassung von einem Heimatfonds plus einem Auslandsfonds spricht, beschreibt sie jemanden, dessen Heimatmarkt zugleich mit Abstand der größte der Welt ist. Wer dort ungefähr hälftig aufteilt, landet nicht weit von einem Weltdepot entfernt. Darin steckt ein Home Bias, also eine Übergewichtung des eigenen Marktes. Sie richtet sich dort allerdings auf den größten Aktienmarkt der Welt und schadet deshalb wenig.

Übertragen Sie dieselbe Aufteilung nach Deutschland, dreht sich die Rechnung um. Der DAX bildet die 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ab, und einige wenige Schwergewichte wiegen darin am schwersten. Wer davon die Hälfte seines Depots hält, nennt das breit gestreut und besitzt in Wahrheit eine konzentrierte Wette auf eine einzige Volkswirtschaft. Genau die zahlt in aller Regel auch Ihr Gehalt, und wenn Sie eine Wohnung abbezahlen, hängt dieser Kredit ebenfalls daran. Das ist viel Gewicht in eine Richtung, bevor das Depot überhaupt etwas falsch gemacht hat.

70/30 oder ein einziger Welt-ETF

Die ehrliche Anpassung besteht darin, den ersten Baustein nicht mehr als Heimat und den zweiten als Ausland zu lesen, sondern zu fragen, wie viel Welt Sie in welchen Anteilen wollen. In Deutschland ist die Standardantwort das 70/30-Portfolio: rund 70 Prozent MSCI World für die Industrieländer, rund 30 Prozent MSCI Emerging Markets für die Schwellenländer, dazu der Anleihenbaustein. Diese Aufteilung geht auf den Gedanken zurück, die Welt eher nach Wirtschaftsleistung zu gewichten, also nach dem Anteil am weltweiten BIP, und nicht nach Börsenwert, denn nach Börsenwert fielen die Schwellenländer deutlich kleiner aus. Die Alternative ist ein einziger All-World-ETF plus Anleihen, streng genommen also ein Zwei-Fonds-Depot, das ehrlicher benennt, was es tut. So oder so sind das Entscheidungen zur Vermögensaufteilung und nicht zur Fondsauswahl, und die Aufteilung bestimmt fast alles, was Sie später tatsächlich erleben.

A small smooth pebble balances on a rough porous stone, which rests on a rounded grey base stone against a plain background.
Three different pieces doing three different jobs, and the point of the design is that nothing else needs to be added.

Was der deutsche Rahmen vorgibt

Bevor Sie den ersten Sparplan anlegen, entscheidet der Rechtsrahmen mit. Praktisch jeder ETF, den Sie hier ins Depot legen können, ist ein OGAW-Fonds, im Namen englisch als UCITS geführt, in Deutschland geregelt im Kapitalanlagegesetzbuch und beaufsichtigt von der BaFin. Dass die amerikanischen Fonds fehlen, hat einen anderen Grund: Die PRIIPs-Verordnung verlangt ein kurzes, standardisiertes Basisinformationsblatt, US-Anbieter erstellen es in aller Regel nicht, und ohne dieses Blatt darf eine Bank den Fonds Privatkunden nicht verkaufen. Die Ticker aus amerikanischen Foren stehen Ihnen deshalb meistens gar nicht zur Verfügung. Sie identifizieren stattdessen über ISIN oder WKN einen UCITS-ETF auf denselben Index und kaufen ihn über Xetra, Tradegate oder gettex, je nachdem, welche Handelsplätze Ihre Bank anbietet.

Zwei weitere Entscheidungen kommen hinzu, über die amerikanische Anleger selten nachdenken. Die erste ist thesaurierend oder ausschüttend, also ob der Fonds Erträge automatisch wieder anlegt oder auf Ihr Verrechnungskonto überweist. Was daran hängt, steht in thesaurierende und ausschüttende ETF im Vergleich. Die zweite ist steuerlicher Natur: Im deutschen Depot greifen Vorabpauschale, Teilfreistellung und der Freistellungsauftrag, den Sie Ihrer Bank erteilen. Sätze und Freibeträge ändern sich, prüfen Sie den aktuellen Stand also beim Bundesfinanzministerium, bei Ihrem Finanzamt oder mit einer Steuerberaterin, bevor Sie deswegen am Depot etwas umbauen.

Die Anleihenquote ist Ihr Risikoregler

Wie viel Sie in Anleihen halten, legt fest, wie weh das Depot Ihnen tun kann, und verdient deutlich mehr Nachdenken als die Frage, welchen konkreten Fonds Sie kaufen. Drehen Sie die Quote hoch, werden beide kleiner: der Einbruch im schlechten Jahr und das Wachstum über Jahrzehnte. Eine für sich genommen richtige Einstellung gibt es nicht. Sie hängt davon ab, wann Sie das Geld brauchen, und mindestens genauso davon, wie Sie sich beim letzten Kursrutsch tatsächlich verhalten haben. Zwei Dinge überraschen dabei regelmäßig. Anleihen sind kein fester, sicherer Block: Steigen die Marktzinsen, sind bereits ausgegebene Anleihen mit niedrigerem Kupon weniger wert, und je länger die Restlaufzeit, desto heftiger der Ausschlag. Und auf der Anleihenseite können Währungsschwankungen leicht größer ausfallen als die Zinsen selbst, weshalb globale Anleihen-ETF üblicherweise auch in einer währungsgesicherten Euro-Variante angeboten werden, im Fondsnamen meist am Zusatz hedged zu erkennen, Aktien-ETF dagegen meist nicht.

Ein Rechenbeispiel in runden Zahlen

Nehmen wir ein Beispieldepot, dessen Zahlen nur dazu dienen, den Mechanismus sichtbar zu machen. Sagen wir 10.000 € und eine Aktienquote von 70 Prozent, innerhalb der Aktien nach 70/30 aufgeteilt: rund 5.000 € in den Industrieländer-ETF, rund 2.000 € in die Schwellenländer, 3.000 € in Anleihen. Jetzt läuft ein starkes Aktienjahr, während die Anleihen auf der Stelle treten. Der Aktienteil ist spürbar mehr wert, der Anleihenteil steht ungefähr da, wo er stand, und das Depot besteht nicht mehr zu 70 Prozent aus Aktien. Es ist auf der Risikoskala nach oben gerutscht, ohne dass Sie zugestimmt hätten, und nach einem Einbruch passiert dasselbe in die andere Richtung. Genau dieses Verrutschen, nicht irgendeine Marktprognose, ist der Grund, warum es Rebalancing überhaupt gibt.

Rebalancing, und wie das Geld hineinkommt

Rebalancing heißt: Sie verkaufen ein wenig von dem, was gewachsen ist, und kaufen nach, was zurückgeblieben ist, bis die gewählten Anteile wieder stimmen. Zwei Regeln funktionieren in der Praxis. Legen Sie einen Termin im Jahr fest und schauen Sie nur an diesem Termin, oder setzen Sie ein Toleranzband und handeln erst, wenn ein Baustein um mehr als eine festgelegte Zahl von Prozentpunkten von seinem Ziel abweicht. Was nicht funktioniert, ist wöchentliches Nachsehen, denn früher oder später finden Sie einen Grund einzugreifen. Verkaufen kostet außerdem: Im normalen Depot fällt auf realisierte Gewinne Abgeltungsteuer an, weshalb der günstigere Weg meistens darin besteht, gar nicht erst zu verkaufen.

Das ist die zweite Aufgabe Ihrer monatlichen Sparrate. Richten Sie die nächste Ausführung des ETF-Sparplans auf den Baustein, der am weitesten unter seinem Ziel liegt, und lassen Sie die Einzahlung die Korrektur erledigen. Regelmäßig einzuzahlen, gern als Cost-Average-Effekt verkauft, ist kein raffinierter Trick zur Risikosenkung, und das sollte man deutlich sagen. Es bildet vor allem die schlichte Tatsache ab, dass Gehälter monatlich kommen. Sein echter Wert liegt darin, dass es Ihnen eine Entscheidung genau in dem Moment abnimmt, in dem Sie am schlechtesten dafür gerüstet sind, denn ein Sparplan liest keine Nachrichten.

Das Schwierige ist, es liegen zu lassen

Der Aufbau ist nicht schwer. Ein Wochenende reicht. Schwer werden die zehn Jahre danach, wenn irgendein Fonds, den Sie nicht gekauft haben, einen spektakulären Lauf hinlegt und Ihrer nicht, wenn ein selbstsicherer Kommentator erklärt, Anleihen hätten sich erledigt, wenn Ihr eigener Depotwert fällt und der Absturz auf der Titelseite steht. Ein Weltportfolio erzählt Ihnen dazu nichts. Es liegt einfach da und bleibt, was es ist: drei Fonds. Der Bauplan scheitert selten von allein. Ihn aufzugeben ist der übliche Fehler, und aufgeben ist eine Entscheidung, die jemand trifft, kein Unfall, der passiert.

Schreiben Sie den Plan deshalb auf, bevor Sie den ersten Anteil kaufen. Eine Seite: die drei Bausteine mit ihrer ISIN, der Zielanteil von jedem, der eine Termin im Jahr, an dem Sie hinsehen, und eine Zeile dazu, was die Anleihenquote legitim verändern dürfte, nämlich ein echter Wechsel bei Ihrem Job oder Ihrem Anlagehorizont und nicht ein Wechsel der Schlagzeilen. Legen Sie das Blatt dorthin, wo Sie es in einem schlechten Monat wiederfinden. In zehn Jahren wird es mehr für Sie getan haben, als die Wahl zwischen zwei fast identischen Index-ETF es je könnte.

Abweichung prüfen mit dem Rebalancing-Rechner

Zusammenfassung

Ein ETF für Industrieländer, einer für Schwellenländer, dazu Anleihen: warum dieses einfache Weltportfolio funktioniert und wie Sie es hierzulande aufbauen.


Federico Romaldi

Verfasst von

Federico Romaldi

Mitgründer, Worthmap

Veröffentlicht: 14. August 2026

Federico ist Mitgründer von Worthmap, einer Vermögensplattform für Anleger, die es ernst meinen. Er kommt aus der Softwareentwicklung und ist seit Langem vom Value Investing überzeugt. Worthmap hat er gebaut, um die Lücke zwischen Vermögensübersicht und Anlageanalyse zu schließen.


Nur zu Bildungszwecken. Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Finanz-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Worthmap ist ein Tool zur Vermögensverfolgung und -analyse, kein registrierter Anlageberater oder Broker-Dealer. Märkte sind mit Risiken verbunden und vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Führen Sie stets Ihre eigene Recherche durch und konsultieren Sie einen qualifizierten Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.