Value Investing & Bewertung

Wirtschaftlicher Burggraben (Economic Moat)

Ein wirtschaftlicher Burggraben (englisch Economic Moat) ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der es einem Unternehmen erlaubt, weiter hohe Gewinne zu erzielen, obwohl Konkurrenten sie ihm abjagen wollen. Der Name kommt vom wassergefüllten Graben um eine mittelalterliche Burg: Das Unternehmen ist die Burg, und der Graben erschwert den Angriff. Warren Buffett hat dieses Bild unter Anlegern bekannt gemacht. Das verbreitete Modell von Morningstar teilt die Vorteile in fünf Quellen ein: Wechselkosten (Kunden empfinden einen Wechsel als lästig), Netzwerkeffekte (das Produkt wird nützlicher, je mehr Menschen es nutzen), Kostenvorteile (das Unternehmen produziert oder liefert günstiger als andere), immaterielle Werte (Marken, Patente, Lizenzen) und effiziente Größe (ein Markt, der so klein ist, dass ein oder zwei Anbieter einen fairen Gewinn machen, ein Neuling aber nicht). Ein Burggraben ist ein Urteil über die Zukunft, keine Zahl, die man im Geschäftsbericht ablesen kann.

Durchgerechnetes Beispiel

Angenommen, Unternehmen A hat 100 Millionen $ im Geschäft gebunden (Fabriken, Vorräte, Software) und verdient damit 12 Millionen $ pro Jahr nach Steuern, also 12 % Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC). Wer ein solches Unternehmen finanziert, verlangt 8 %, das ist also die Messlatte. Die Konkurrenten derselben Branche verdienen nur etwa 8 %, weil Kunden leicht zu ihnen wechseln können. Unternehmen A verdient 4 Prozentpunkte mehr: 12 Millionen $ minus 8 Millionen $ = 4 Millionen $ pro Jahr über dem, was das Kapital erwartungsgemäß abwirft. Bleiben die Kunden treu und können die Rivalen den Vorteil nicht kopieren, kann dieser Abstand viele Jahre halten, und genau dieser dauerhafte Abstand ist mit einem Burggraben gemeint. Schrumpft der Abstand in drei Jahren auf null, gab es keinen Burggraben, sondern nur eine gute Phase.

Warum es wichtig ist

Anleger interessieren sich für den Burggraben, weil Gewinne, die Rivalen wegkopieren können, nicht lange halten, während geschützte Gewinne über Jahre weiterwachsen können. Damit ist er eine nützliche Frage, wenn man einschätzen will, wie lange ein Unternehmen gut verdienen kann. Der Haken: Ein Burggraben lässt sich nicht direkt messen. Die üblichen Hinweise sind Kapitalrenditen, die viele Jahre über den Kapitalkosten bleiben, stabile Gewinnmargen und Kunden, die nicht abwandern, doch jeder dieser Hinweise kann auch von Glück oder einem Boom kommen. Auch Technik, neue Regeln oder geänderte Kundengewohnheiten können einen scheinbar breiten Graben zuschütten. Sehen Sie die Idee als Frage, der Sie mit den Geschäftsberichten nachgehen, nicht als Urteil, und bedenken Sie, dass selbst ein starker Burggraben nichts darüber sagt, ob der Aktienkurs angemessen ist.

Häufig gestellte Fragen

Das ist ein dauerhafter Vorteil, der Konkurrenten daran hindert, die Gewinne eines Unternehmens wegzunehmen, wie der Wassergraben um eine Burg. Typische Quellen sind Wechselkosten, Netzwerkeffekte, Kostenvorteile, immaterielle Werte wie Marken und Patente sowie effiziente Größe.

Eine einzelne Zahl verrät es nicht. Hinweise sind Renditen auf das eingesetzte Kapital, die viele Jahre über den Kapitalkosten liegen, stabile Margen und treue Kunden. Jeder Hinweis kann auch Glück sein, deshalb ist er eine Frage zum Nachforschen, kein Urteil.

Nein. Der Burggraben beschreibt das Unternehmen, nicht den Preis. Ein Unternehmen mit starkem Vorteil kann trotzdem einen Kurs haben, der diesen Vorteil schon widerspiegelt, und ein Burggraben kann schrumpfen, wenn sich Technik oder Regeln ändern.